5. 1. 2016
Deutschland

Gartenabfälle zu Kompost: Ein Interview mit der K-Nord GmbH aus Ganderkesee, Deutschland

Mit dem Ziel mehr über das tägliche Geschäft und die Rahmenbedingungen zur Nutzung von Biomasse aus den Bereichen Straßenbegleitgrün und Landschaftspflegematerial zu erfahren, werden im Rahmen des greenGain Projektes Interviews mit lokalen und europäischen Akteuren über die gesamte Wertschöpfungskette durchgeführt. Die Interviews thematisieren neben der Verarbeitung der Biomasse entlang der Verwertungskette auch die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Nutzung der Biomasse. Neben den Meinungen von europäischen Experten und Wissenschaftlern ist das lokale Geschäfts-Know-How eine wichtige Informationsquelle.

Abbildung 1: Komposthaufen und Tankwagen für flüssige industrielle Abfälle auf dem Gelände der [k]nord. Andreas Melle (Mitte) mit Vertretern des greenGain Projektes Hinrich Stolle und Jana Žůrková (SYNCOM GmbH).

Abbildung 1: Komposthaufen und Tankwagen für flüssige industrielle Abfälle auf dem Gelände der [k]nord. Andreas Melle (Mitte) mit Vertretern des greenGain Projektes Hinrich Stolle und Jana Žůrková (SYNCOM GmbH).

 Wir zoomen uns auf die lokale Ebene heran, um herauszufinden was mit den biogenen Abfällen aus unserer direkten Umgebung geschieht. Dabei stießen wir auf die Firma [k]nord Umweltdienstleistungen aus Ganderkesee, Deutschland. Geschäftsleiter Andreas Lange und Technischer Leiter Andreas Melle stellen uns ihre Firma und das Geschäftsmodell vor.

Ganderkesee ist eine niedersächsische Gemeinde mit ca. 30.000 Einwohnern. Die Firma [k]nord ist ein Dienstleistungsunternehmen im Umweltsektor und betreibt unter anderem ein Kompostwerk für Grünabfälle in Ganderkesee. Ein weiteres Standbein ist die Konstruktion und Errichtung von Lärmschutzsystemen. [k]nord hat eine lange Tradition in der Region, mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Abfallentsorgung. Außerdem betreibt der Landkreis Oldenburg auf dem Betriebsgelände der [k]nord eine Problemmüllsammelstelle (PROSA) und einen Wertstoffhof. Recyclebare Materialen aus privaten Haushalten können hier entsorgt werden. Papier, Pappe, Altmetall, Elektrokleingeräte, Kork und die Gelben Säcke des Dualen Systems Deutschland können ohne Gebühr abgegeben werden.

Können Sie uns erklären welche Typen von organischen Abfällen und welche Arten von Biomasse Sie hier weiter verarbeiten und wo sie herkommen?

 Wir nehmen Gartenabfall und Grünschnitt von Bürgern und kommerziellen Gärtnereibetrieben sowie von öffentlichen Landschaftspflegemaßnahmen an. Zusätzlich verarbeiten wir industrielle organische Abfälle aus der Getränke- und Lebensmittelindustrie, zum Beispiel nach Ablauf ihres Mindesthaltbarkeitsdatums. Die Gras- und Schnittabfälle werden bei uns zu Kompost weiterverarbeitet und die industriellen organischen Abfälle werden als Substrat in der Biogasanlage genutzt.

Wie kann man sich die Verarbeitung von Gartenabfällen vorstellen? Ist diese Biomasse durch bestimmte Besonderheiten gekennzeichnet?

 Wir nehmen den Gartenabfall von Bürgern und kommerziellen Gärtnereibetrieben gegen eine Gebühr an. Daher wird die Biomasse zunächst gewogen und dann zerkleinert, gemischt und in Haufen kompostiert. Der Kompost wird regelmäßig gewendet, fertig ist er nach drei Monaten und wird dann abgesiebt entweder als lose Ware oder abgesackt vermarktet. Rückstände aus dem Siebevorgang transportieren wir zu einem kooperierenden Biomasse Heizkraftwerk.

Die Zusammensetzung und Qualität der Biomasse variiert. Jahreszeitlich bedingt ergeben sich Schwankungen im Feuchtigkeitsgehalt und der Zusammensetzung des Materials. Unsere Mitarbeiter prüfen beim Eingang die Qualität der Biomasse, auf den Gehalt an Müll und ähnlichem. Aber überwiegend ist die Qualität der Biomasse aus privaten Gärten sehr gut und lässt sich problemlos weiterverarbeiten. Biomasse aus Straßenbegleitgrün kontrollieren wir auf Verunreinigung durch kleine Gegenstände und Müll, abhängig vom Einsammelverfahren. Jährlich bekommen wir 8 000 bis 10 000 Tonnen Biomasse angeliefert, wobei der Zulieferungsradius ca. 10 bis 15 km misst.

Wonach richtet sich der Preis für die Annahme von Grünabfällen? Und wie sieht die wirtschaftliche Bilanz der Kompostproduktion aus?

 Der Preis resultiert aus einer sorgfältigen ökonomischen Kalkulation unserer Einnahmen und Ausgaben. Der Erlös für die Annahme ist die Haupteinnahmequelle für die Kompostanlage, da der Verkaufspreis für den Kompost auf dem Markt sehr niedrig ist. Der größte Kostenfaktor sind die Personalkosten, um einen angenehmen Service für unsere Kunden und eine hohe Qualität des Komposts gewährleisten zu können.

Ein Beispiel: Der Preis den die Bürger für ihre Gartenabfälle zahlen richtet sich nach Volumen und erhöht sich von 3 € für 200 Liter bis zu 24 € für 2 m3. Die Gebühr wurde seit fast neun Jahren nicht verändert. Interessanterweise, obwohl der Preis kürzlich etwas angehoben wurde, verringerte sich die Menge der gesammelten Biomasse nicht und dank der kürzlich verlängerten Öffnungszeiten stieg die Menge sogar an. Das stützt unseren Eindruck, dass die Einstellung der Bürger ausschlaggebend ist und der Preis nur eine sekundäre Rolle spielt. Bürger, die ihre Abfälle in Wäldern und an Straßenrändern entsorgen, würden dies wohl ebenfalls tun, wenn der Preis niedriger wäre.

Wer sind die Abnehmer für den Kompost und welche Erfahrungen haben Sie mit dem Kompostmarkt?

 Wir produzieren Kompost seit 1993 und haben langjährige Erfahrung auf dem Kompostmarkt. Den größten Anteil des Komposts verkaufen wir an die Blumenerde produzierende Industrie. Der Anteil an Kompost in Blumenerde wird in der Zukunft voraussichtlich von 5 % auf 30 % steigen, um Torf zu ersetzen, infolge einer neuen Gesetzgebung zur Verminderung der Torfproduktion in Niedersachsen. Demnach wird der Bedarf an Kompost in diesem Sektor weiter steigen. Das Potential des Komposts als Dünger in der Landwirtschaft ist eher gering, da in unserer Region die Dichte der Tiere und das damit verknüpfte Überangebot an Dünger sehr hoch ist.

Von Beginn an haben wir unseren Kompost zertifizieren lassen, um Qualitätsstandards gewährleisten zu können. Wir haben gelernt unsere Produkte gemäß der Anforderungen unserer Kunden zu optimieren. Erfahrungen haben gezeigt, dass die ortsansässigen Gärtner den Kompost in kleinen Säcken bevorzugen, da diese leichter zu handhaben sind als die großen Säcke, die wir früher produziert haben. Die ortsansässigen privaten Kunden machen ca. 5 % unserer Kompostkunden aus.

Was ist neben der Zertifizierung wichtig, um das Vertrauen und die Verbundenheit der Kunden zu gewinnen?

Wichtig ist es einen stabilen Qualitätsstandart sowohl für die Produkte als auch für den Service gewährleisten zu können. Vor Kurzem haben wir unsere Öffnungszeiten verlängert, da dies ein entscheidender Punkt für die Kunden ist. Sie schätzen es sehr, ihre Gartenabfälle auch abends nach der Arbeit abgeben zu können. Wenn die Tore zu früh geschlossen sind passiert es auch, dass Abfall einfach vor dem Tor abgeladen wird. Der generelle Komfort bei der Ablieferung des Abfalls spielt eine wichtige Rolle. Für uns bedeutet das einen höheren Personalaufwand und die damit verbundenen Kosten. Wir sind in der Position diesen Mehraufwand leisten zu können, aber für kleinere Betriebe ist das unmöglich. Das Gleiche trifft auf die Kompostzertifizierung zu, da unter anderem eine exakte und detaillierte Dokumentation über Ursprung und Mengen gefordert ist.

Wenn man Kompost aus regionaler Biomasse kauft und ihn im eigenen Garten benutzt, ist es fast so als würde man den Kreislauf schließen. Die Bürger leisten einen wichtigen Beitrag am Kreislauf der Nährstoffe und verwirklichen so die Idee es Recyclings. Wir können zwar nicht mit den großen Unternehmensketten konkurrieren, aber diese Erfahrung schätzen unsere Kunden sehr.

Ein guter Ruf in der lokalen Bevölkerung ist sicherlich sehr wertvoll für das Geschäft, da Mund zu Mund Propaganda bekanntlich die beste Werbung ist. Sind Sie diesbezüglich während Ihrer langjährigen Erfahrung auf Probleme gestoßen?

 Bis 2011 haben wir zusätzlich organischen Haushaltsmüll kompostiert. Diese Art von Abfall zu kompostieren ist recht schwierig, da er meistens sehr feucht und dicht gepresst ist. Hin und wieder hatten wir es mit einer intensiven Geruchsbildung zu tun, was bei den Anwohnern zu Missfallen und Beschwerden führte. Ein wichtiger Teil um dieses Problem zu lösen war die verbesserte Behandlung des Abfalls, aber auch eine gute Kommunikation mit den Anwohnern. Wir haben für die Anwohner eine Besichtigung der Anlage organisiert und ihnen das Problem erklärt. Zusätzlich haben die Anwohner Kontaktpersonen ernannt und so konnte eine gute und direkte Verbindung zu den Anwohnern aufgebaut werden. Wenn wir z.B bei Wartungsarbeiten die Anlage öffnen mussten, was zu einer Geruchsbelästigung in der Nachbarschaft führen kann, haben wir die Kontaktpersonen vorab informiert und somit wussten auch alle Anwohner davon, dass es zu Belästigungen kommen kann. Wir haben daraufhin keine Beschwerden mehr erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft für weitere Entwicklungsmöglichkeiten?

 Wir sind offen für neue Projekte und Technologien und außerdem haben wir die Möglichkeit unser Areal zu vergrößern. Unter anderem untersuchen wir neue Technologien wie die Hydrothermale Karbonisierung, um zusätzliche Produkte und einen erweiterten Service anbieten zu können. Allerdings ist die Technik dieser Anlagen zurzeit noch nicht genügend ausgereift. Potential sehen wir in den großen Mengen von saisonal anfallendem Laub. Bisher wird das Laub bei uns auf Grund der schweren Abbaubarkeit relativ flächen- und zeitaufwändig kompostiert. Über eine kosteneffizientere Alternative würde sich die gesamte Kompostierungs-Branche sicherlich freuen.

Unser Geschäft wird von den gesetzlichen Rahmenbedingungen stark beeinflusst, daher ist es wichtig über die neusten Trends informiert zu sein, um neue Entwicklungen in unserem Bereich im Auge zu haben und einschätzen zu können.

 Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Lange und Herrn Melle für ihre Zeit und Bemühungen. Weitere Informationen zu [k]nord finden Sie auf der Firmenwebseite www.k-nord.de.

Autor: Jana Žůrková

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