27. 12. 2016
EU

Ergebnisse der Experteninterviews im Rahmen von greenGain: Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und Möglichkeiten zur Entwicklung von Geschäftsaktivitäten

Die gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die energetische Verwertung von Landschaftspflegematerial wurden anhand von 31 Experteninterviews durch die Projektpartner analysiert. Die Ergebnisse sind sowohl für politische Entscheidungsträger als auch als Beitrag zur Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten von Relevanz. 

Im Rahmen des Arbeitspakets 6 „Politik, Finanzen, Unternehmensführung und öffentliche Akzeptanz“ wurden Akteure aus allen Bereichen des Themenspektrums interviewt, um theoretische und praktische Informationen zur Akzeptanz gegenüber Biomasseprojekten seitens der Politik, Finanzwirtschaft, Unternehmensführung und Öffentlichkeit zu erhalten. Die Ergebnisse sollen umfangreiche Empfehlungen für das abschließende Strategiepapier liefern (D6.4). In Kombination mit den Ergebnissen aus Literaturrecherchen sollen diese innerhalb der Stakeholder-Arbeitsgruppe diskutiert und validiert werden.

Abbildung 1: Konzept der Bewertung der gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingunen für die Nutzung von Landschaftspflegematerial (SWG = Arbeitsgruppen von Interessensvertretern und Experten; Stakeholder Working Groups).

Abbildung 1: Konzept der Bewertung der gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingunen für die Nutzung von Landschaftspflegematerial (SWG = Arbeitsgruppen von Interessensvertretern und Experten; Stakeholder Working Groups).

Die Interviews liefern Hinweise in zweifacher Weise:

Nützliche Anhaltspunkte für die Erstellung von Politikempfehlungen für einen Top-down-Ansatz in Hinblick auf Aspekte, die nicht der Kontrolle der Akteure der Versorgungsketten unterliegen und nur indirekt beeinflusst werden können. Hierbei wurden vier Themenschwerpunkte identifiziert:

  • Anreize:
    • Für die Entwicklung von Technologien im kleinen Maßstab ist auf nationaler Ebene eine entsprechende Unterstützung erforderlich
    • Bereitstellung von Fördermitteln zur Unterstützung der Biomassenutzung durch Großabnehmer
    • Zertifizierungen sollten auf allen Ebenen gefördert werden
  • Gesetzliche Regelungen:
    • Eindeutige Definitionen, Umfang und Gesetzgebung zur Nutzung von Landschaftspflegematerial müssen weiter ausgeführt werden
    • Eindeutige Standards zur Definition von Abfall und Koppelprodukten sollten auf EU-Ebene festgelegt werden
    • Bereitstellung klarer Vorschriften und Informationen zum Bedarf von Landschaftspflegearbeiten für das Management von Naturschutzgebieten
    • Erneuerbare Energien sollten in Konzepte der Abfallwirtschaft einbezogen werden
    • Unternehmen könnten zur Deckung eines bestimmten Prozentsatzes ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen verpflichtet werden
    • Die zulässige Anzahl von Kaminen sollte auf lokaler/regionaler Ebene festgelegt werden
  • Unterstützung für lokale Behörden:
    • Unterstützung auf nationaler und regionaler Ebene von Pilotprojekten sowie Bereitstellung von Beratungsangeboten für lokale Behörden
  • Wissen und Akzeptanz:
    • Bereitstellung eindeutiger Informationen zu Förderrichtlinien und Abrechnung der erzeugten Energie (wie werden Fördergelder ausgezahlt)
    • Öffentliche Verhandlungen sollen ab einer bestimmten Anlagengröße vorgeschrieben werden

Drei Themengebiete wurden identifiziert, in denen die Ergebnisse für die Entwicklung eines effektiven Geschäftsmodells mittels eines Bottom-up-Konzepts angewendet werden können. Dabei wurden Aspekte, die unter der Kontrolle oder dem direkten Einfluss von Akteuren der Versorgungsketten stehen und ein unmittelbares Anwendungspotenzial in den Modellregionen haben, berücksichtigt.

  • Wirtschaftliche Entwicklung:
    • Die Sicherstellung der Lieferketten stellt eine grundlegende Voraussetzung dar. Langfristige Verträge zur Biomassebereitstellung und eine Bündelung der Bezugsquellen werden empfohlen
    • Reduktionsfaktoren müssen bei der Beurteilung der potenziellen Biomasseproduktion eines Gebietes berücksichtigt werden (beachten Sie in diesem Zusammenhang auch den nächsten Artikel dieses Newsletters über die greenGain Biomassenabschätzung)
    • Qualität und Einheitlichkeit: vergleichbare und einheitliche Eigenschaften des Landschaftspflegematerials sollten gewährleistet werden
    • Landschaftspflegematerial als Ergänzung: Die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial allein kann nur in Ausnahmefällen das Kerngeschäft eines Unternehmens / einer Logistikplattform / eines Kraftwerks darstellen
    • Eine möglichst umfangreiche Zertifizierung wird empfohlen
    • Ausrichtung der Nachfrage und des Angebots auf die lokalen Bedürfnisse
  • Unternehmensführung:
    • Bevor Investitionen getätigt werden, müssen die Liefer- und Wertschöpfungsketten sichergestellt und alle beteiligten Akteure und Anlagen einbezogen werden
    • Logistikplattformen: Lagerung, Auswahl und Aufbereitung für eine höhere Wertschöpfung von Biomasse
    • Fragmentierungen von Grundstücken und Zugangsberechtigungen müssen überwunden werden
    • Besondere Förderung von gemeinschaftlichen Initiativen (z.B. Kooperationsverträge, gemeinschaftliche Investitionen und Einkaufsgemeinschaften)
  • Gesellschaftliche Akzeptanz:
    • Pläne zur Risikominimierung und Kompensationsmaßnahmen sollten automatisch für Anlagenkonzepte vorgesehen werden
    • Seminare zu Energiethemen und öffentliche Anhörungen
    • Lokale Akteure sollten zu Besichtigungen anderer vergleichbarer Anlagen eingeladen werden, um die Prozesse und Auswirkungen besser verstehen zu können
    • Lebenszyklus-Analysen sollten erstellt und veröffentlicht werden (öffentliches Bewusstsein der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen)

Autor: Federico De Filippi , SOGESCA

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