28. 12. 2016
EU

greenGain Biomassenbewertung die verborgenen Potenziale der Landschaftspflege

Im Juli 2016 schlossen die greenGain-Projektpartner die Abschätzung der potenziellen Biomasse aus der Landschaftspflege in den vier Projektregionen ab. Der Projektbericht D 5.2 illustriert unter anderem die angewandte Methodik auf der Basis eines Bottom-up-Ansatzes und zeigt für die ausgewählten Landschaftspflegetyp in den einzelnen Projektregionen, welche Potenziale berechnet wurden. Der folgende Artikel fasst die Biomassebewertung zusammen und gibt einen Überblick über die Ergebnisse.

Methode

Ausgangspunkt für die im Projekt durchgeführte Biomassebewertung war die Schätzung des theoretischen Potenzials auf der Basis statistischer Daten, Stichproben, Ertragsraten aus anderen Projekten, usw. Das Projekt Biomasse Energy Europe (BEE) zur Harmonisierung von Biomassenbewertungen definiert: „Das theoretische Potenzial ist das Gesamtmaximum an terrestrischer Biomasse, die im Rahmen der grundlegenden biophysikalischen Grenzen, theoretisch für die Bioenergieproduktion angesehen werden kann“. Allerdings geben theoretische Potenziale oft keine genaue und realistische Einschätzung der Biomassemengen, die für die Energieerzeugung nutzbar sind. Daher wurden potenzielle Einschränkungen mit einem Reduktionskoeffizienten (CR= coefficient of reduction) quantifiziert, was zu beurteilten, nachhaltigen Potenzialen führte (Abbildung 1).

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen theoretischem, technischem, wirtschaftlichem, ökonomischem, umsetzbarem und nachhaltigem Potenzial.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen theoretischem, technischem, wirtschaftlichem, ökonomischem, umsetzbarem und nachhaltigem Potenzial.

Praktisch bedeutet die Anwendung dieser Methode, dass verfügbare lokale Daten  recherchiert werden und eine enge Zusammenarbeit mit Akteuren in den greenGain Projektregionen stattfinden musste. In einem Bottom-up-Ansatz haben die verantwortlichen greenGain-Partner deshalb:

  • nach lokalen zuverlässigen Bestandsaufnahmen recherchiert, die durch Feldbeobachtung erstellt oder durch lokale Akteure zur Verfügung gestellt wurden,
  • die vor Ort tatsächlich herrschenden Biomasseproduktionsverhältnisse durch Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren oder durch Stichproben eingeschätzt, um eine Verallgemeinerung durch nationale oder europäische Studien zu vermeiden,
  • in Kontakt mit lokalen Unternehmen und Behörden Einschränkungen für die Beschaffung von Biomasse aus der Landschaftspflege identifiziert.

Für die elf Arten an Biomasse aus der Landschaftspflege, die in den vier Projektländern beurteilt wurden, stand ein breites Spektrum an Menge und Qualität der Informationen zur Verfügung. Dementsprechend wurde nicht eine einzige Methode auf alle Typen angewendet, sondern die Situationen wurden individuell auf der Grundlage des vorhandenen Wissens und der verfügbaren Eingabedaten bewertet.

Ergebnisse

Die Untersuchungen und Berechnungen zur Bewertung der Biomassepotenziale in den Projektgebieten führten zu den folgenden Ergebnissen:

Tabelle 1: Übersicht der Ergebnisse, die in der greenGain Biomasseabschätzung (Projektbericht 5.2) erarbeitet wurden.2_table-results

Die hier gezeigten nachhaltigen Potenziale beziehen sich nur auf frisches Material. Das Biomassepotenzial der gemischten Rohstoffe wurde für die holzigen und krautigen Anteile nicht überall gesondert beurteilt. Dies war nicht möglich, da bei den tatsächlich umgesetzten Pflegearbeiten gemischte Rohstoffe entstehen und entsprechende Informationen über Verhältnisse und Biomasseeigenschaften von den zuständigen Akteuren sich auf diese Mischung beziehen. Nach Beenden der derzeitig laufenden Pilot-Erfahrungen werden die Fraktionen, wenn möglich, getrennt analysiert.
Die detaillierten Berechnungen der Biomassenbewertung der einzelnen Rohstoffarten in den vier Projektländern sind im  Projektbericht D 5.2 zu finden. Weitere Übersichten zu den Ergebnissen stehen zudem in der Präsentation „Feedstock: biomass from landscape conservation and maintenance work“ von Daniel Garcia zur Verfügung. Der Vortrag wurde auf der internationalen greenGain-Konferenz im Oktober 2016 in Soltau gezeigt.

Schlussfolgerungen

Die Abschätzung von Landschaftspflegematerial in einem Gebiet erfordert die Interpretation der spezifischer Merkmale und Bedingungen unter Berücksichtigung der lokalen Bestandsaufnahmen und der einzigartigen Biomasseproduktivitätsverhältnisse. Dennoch wurde beobachtet, dass, obwohl Abschätzungen in verschiedenen Ländern und Regionen durchgeführt wurden, in denen verschiedene Ernteverfahren angewendet werden und unterschiedliche Regelungen gelten, in allen Fällen das nachhaltige Potenzial dem theoretischen sehr nahe kommt. Dies zeigt, dass in vielen Fällen keine stark einschränkenden Faktoren auf die Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege Einfluss haben.

Darüber hinaus zeigte die Analyse, dass Landschaftspflegematerial räumlich verteilt ist und das Potenzial pro Gebietseinheit in der Regel viel niedriger ist als im Falle von Biomasse aus land- und forstwirtschaftlichen Gebieten. Dennoch kann die Biomasse aus der Landschaftspflege sowohl in lokale als auch in große Lieferketten integriert werden. In vielen Fällen kann sie alleine keine Biomassequelle darstellen, doch kann das Material durch die Verwendung spezifischer Geschäftsmodelle in andere Zulieferketten eingebunden werden und ein Teil von integrierten logistischen Lösungen sein.

Autoren: Aline Clalüna, COALS; Daniel García, CIRCE

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