3. 11. 2017
Deutschland

Machen Sie es wie die Friesen: verbrennen Sie Ihr kulturelles Erbe

Abbildung 1: Zu pflegende Wallhecke im Landkreis Friesland (Foto: Aline Clalüna)

Wallhecken oder Knicks sind mit Bäumen oder Sträuchern bewachsene Erdwälle. Seit dem Mittelalter werden sie zur Umzäunung von Acker- und Weideland eingesetzt. Als Bestandteile der Kulturlandschaft im norddeutschen Landkreis Friesland prägen sie das Landschaftsbild auf unverwechselbare Weise. Ferner haben Wallhecken eine ökologische und wirtschaftliche Bedeutung (z. B. Windschutz). Im letzten Jahrhundert wurden keine neuen Wallhecken angelegt und vorhandene nicht mehr gepflegt oder sogar zerstört. Da Neuanpflanzungen erst nach Jahrzehnten ihren vollen ökologischen Wert erreichen, sollte besonderer Wert auf die Erhaltung und Verbesserung bestehender Strukturen gelegt werden. Daher ist regelmäßige Pflege notwendig, vernünftig und gesetzlich erwünscht.

Im Landkreis Friesland, einer greenGain Pilotregion, vermarktet das lokale Landschaftspflegeunternehmen jährlich 15.000 m³ Hackschnitzel von Wallhecken und ersetzt somit jährlich 1,5 Millionen Liter Heizöl (= 5.000 t CO2-Äquivalente, 94 % der Treibhausgasemissionen). Das Beispiel zeigt zudem relevante Aspekte für eine wirtschaftliche Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege. So schafft die Bereitstellung eines lokalen Produkts mit konstanter Qualität einen guten Ruf und ist der Schlüssel zur langfristigen Kundenbindung. Darüber hinaus ist der Austausch zwischen allen beteiligten Personen erforderlich. Neue Kontakte, welche im Rahmen von greenGain geknüpft wurden, führten dazu, dass die Akteure in Friesland enger daran arbeiten, die Pflegerate von vernachlässigten Wallhecken zu erhöhen, ungenutzte Biomassepotenziale zu nutzen, Eigentümer in Instandhaltungsprozesse einzubeziehen und Erfahrungen mit anderen Regionen auszutauschen.

Weitere Informationen zu Wallhecken, ihr Vorkommen, Pflegemaßnahmen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Landkreis Friesland finden sich bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde.

Abbildung 2: Sammelplatz für Biomasse aus der Pflege von Wallhecken (Foto: Arne Memmen)

Abbildung 3: Das Landschaftspflegematerial wird gleich beim Sammelplatz gehackt (Foto: Arne Memmen). Figure 3: The LCMW material is chipped on the collection site (photo: Arne Memmen)

Abbildung 4: In der Vegetationsperiode nach dem Pflegeeingriff treiben die ersten Stockausschläge bereits aus (Foto: Jens Eden)

Autor: Aline Clalüna

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