3. 12. 2017
Italien

Aufbau eines Biomassehandels- und Logistikzentrum in der Modelregion Trasimeno

Produktionsketten für die Nutzung von Landschaftspflegematerial sind aufgrund des geografisch verteilten Vorkommens, der unterschiedlichen Qualität und des jahreszeitlichen Auftretens der Biomasse weniger wettbewerbsfähig als Rohstoffe in anderen Biomassesektoren. Im Rahmen des greenGain Projekts entstand die Idee, eine Wertschöpfungskette mit Biomassehandels- und  Logistikzentren zu entwickeln. So kann die Qualität der Biomasse durch die Vorbehandlung und Auswahl des Materials verbessert und dem Verbraucher Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Heute ist der Anteil erneuerbarer Energie aus der Landschaftspflege klein, insbesondere wegen erschwerenden Faktoren wie geringer Qualität und dem räumlich wie zeitlich unregelmäßigen Vorkommen des Ausgangsmaterials. Marketingaktivitäten für Biomasse aus der Landschaftspflege müssen somit mit einer Reihe von Problemen umgehen:

  • Geringe Biomassemengen im Vergleich zur Energieholzproduktion aus dem Wald
  • Niedrige und variable Biomassequalität (Verunreinigungen, Blätter, Rinde, kleine Äste)
  • Saisonalität und potenzielle Versorgungsunterbrechung
  • Hohe Anzahl an beteiligten Akteuren (Zugangsrechte etc.)

Diese Merkmale machen die Lieferkette von Landschaftspflegematerial komplex und führen zu einer kleineren Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Biomassetypen.

Die Vorteile von Handels- und Logistikzentren

Abbildung 1: Holzhackschnitzellager in einem Biomassezentrum (Quelle: http://www.biomasstradecentre2.eu)

Eine häufig diskutierte Idee, die oben genannten Probleme anzugehen und die Nutzung von Landschaftspflegematerial zu stärken, ist die Einführung von speziellen Biomassehandels- und Logistikzentren, die mindestens teilweise diesem Biomassetyp gewidmet sind. Biomasse-Handelszentren sind aus forstwirtschaftlichen Betrieben bekannt (siehe auch Biomass Trade Centre II) und eignen sich zur Verbesserung von Logistikströmen. Solche Handelszentren werden bereits erfolgreich mit Rundholz als Hauptprodukt betrieben.

Dieser Ansatz wird jedoch selten für die Verwertung von Biomasse aus der Landschaftspflege in Betracht gezogen. Ein Handelszentrum könnte Biomasseproduzenten und -verbrauchern verschiedene grundlegende Dienstleistungen anbieten, wie die Vorbehandlung des Materials (Hacken, Sieben), die Qualitätskontrolle und die Zertifizierung von Produkten in Bezug auf Qualität und Herkunft. Ferner kann auch die Diversifizierung von Produkten erleichtert (d.h. Trennung von Hackschnitzel mit unterschiedlichen Eigenschaften) oder sogar Verpackungsdienste (z.B. für Pellets) bereitstellen werden. Ein Biomasse-Handelszentrum kann potenziellen Kunden – ob privat, gewerblich oder industriell – einen Ort für die Lieferung des Brennstoffs bereitstellen, transparente Preise und Bedingungen bieten und sie ermutigen, in Biomasse-Heizsysteme zu investieren. Darüber hinaus können weitere umfassende Dienstleistungen angeboten werden:

  • Bereitstellung von Beratungsdiensten sowohl für den Hersteller als auch für den Verbraucher der Biomasse in Bezug auf Biomasseprodukte oder Energieumwandlungsanlagen wie Kessel von KWK-Anlagen.
  • Unterstützung von Landwirten und Unternehmen bei der Suche nach Mitteln für die nachhaltige Entwicklung ihrer Unternehmen.

Ein Logistikzentrum schafft zudem Arbeitsplätze und erhält den wirtschaftlichen Wert der Biomasse in der Region. Die Vermarktung von Brennstoffen durch das Biomassezentrum schafft schließlich einen Mehrwert für Produzenten und Kunden, die von der gebündelten, qualitativ hochwertigen lokalen Versorgung mit Holzbrennstoffen profitieren.

Beurteilung der Machbarkeit eines Handels- und Logistikzentrums in der Trasimeno Modellregion

Abbildung 2: Lage der möglichen Sammelstellen und des Biomassezentrums in der Region Trasimeno (erstellt von SYNCOM)

Während des greenGain Projekts wurde ein Konzept für ein Biomasse-Logistikzentrum entwickelt, welches holzige Biomasse in der Trasimeno Region in Umbrien, Italien, verarbeiten soll. Die Idee entstand bei ersten Gesprächen mit den regionalen Akteuren und wurde während der gesamten Dauer des Projekts von anderen Akteuren bestätigt, insbesondere während des nationalen greenGain Workshops, der am 30. Juni 2017 in Perugia stattfand. Auf der Grundlage der während des Projekts gesammelten Daten arbeiten die Projektpartner SYNCOM und SOGESCA derzeit an einer Fallstudie, um die tatsächliche Machbarkeit und den Nutzen der Einrichtung einer solchen Infrastruktur in der Modellregion zu bewerten. Die Umsetzung hängt von der Verfügbarkeit der Rohstoffe, ihrer räumlichen Verteilung und damit der Logistik, der Infrastruktur und den möglichen Dienstleistungen, die Erzeugern und Verbrauchern angeboten werden könnten, ab.

Die Herausforderung besteht darin, in geeigneter Weise zu definieren welcher Anteil der Biomasse, der durch das Logistikzentrum vermarktet wird, aus der Landschaftspflege stammen kann, welche Qualität erforderlich ist und wie die Integration in Nutzungswege von anderen Biomassetypen ermöglicht werden kann. Diese Fallstudie ist ein Zusatzergebnis der greenGain- Aktivitäten, da sie im ursprünglichen Projekt-Plan nicht vorgesehen war.

Autor: Federico de Filippi, SOGESCA

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