6. 12. 2017
EU

Geschäftseinblicke zur Inwertsetzung von Biomasse aus der Landschaftspflege

Es wurden Geschäftsszenarios untersucht, die den greenGain-Ansatz der Energiegewinnung aus Biomasse aus der Landschaftspflege demonstrieren. Diese Szenarios decken verschiedene Teile der Wertschöpfungskette ab, von der Beschaffung, Aufwertung, Vermarktung und Anwendung von Landschaftspflegematerial als Rohstoff für die Bioenergiegewinnung.

Das erste Szenario befasst sich mit Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Produktion von Holzhackschnitzeln aus der Pflege von Baumreihen und Hecken. In der Regel führen spezialisierte Lohnunternehmen, die von Eigentümern beauftragt werden, diese Pflegearbeiten durch. Beobachtungen in den greenGain-Pilotregionen Friesland und Rotenburg (Wümme) zeigten, dass diese Arbeiten bereits kommerziell und mit hoher Mechanisierung und Produktivität durchgeführt werden. Dabei erfolgt die Vermarktung nach der Aufarbeitung als Qualitätshackschnitzel für 25 EUR / m³ (~ 110 EUR / t Trockenmasse) für kleine Heizungsanlagen (Zentralheizung, 25 bis 100 kW) oder als grobe, frische Hackschnitzel für 38 EUR / t (~ 80 EUR / t Trockensubstanz) als Brennstoff für große Anlagen (100 bis 1000 kW). Die in diesen Regionen gemachten Erfahrungen wurden genutzt, um Geschäftsmöglichkeiten für andere greenGain-Modellregionen zu entwickeln. Im Vergleich zu den deutschen Modellregionen liegt die Biomasse dort in kleineren Mengen pro Auftrag vor die mit kleinere Systeme besser erledigt werden können. Zum Beispiel scheinen Reihen-Hacker oder Häcksler besser zu den regionalen Bedingungen zu passen. Die Produktionskosten für Hackschnitzel werden voraussichtlich wettbewerbsfähig sein, wenn die vermiedenen Kosten der momentanen Bewirtschaftungsmaßnahmen berücksichtigt werden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der greenGain-Ansatz, um Biomasse aus der Landschaftspflege marktfähig zu machen

Das zweite Geschäftsszenario untersucht den Einsatz von Gras in Biogasanlagen. In diesem Fall wird Gras ohne weitere Investitionen von Biogasanlagenbetreibern zur Energiegewinnung genutzt. Aus technologischer Sicht können sowohl Trocken- als auch Nassfermentationssysteme Gras mit variablem Biogasertrag verarbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vergärung von Landschaftspflegegras die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage unter bestimmten Bedingungen verbessern kann. Die Berechnungen zeigen, dass die Methanerzeugung reduziert wird, wenn Maissilage durch solches Gras ersetzt wird. Die Substratkosten werden jedoch ebenfalls reduziert. Dies führt zu einer Steigerung des Gesamtgewinns. Dieses Szenario tritt auf, wenn sauberes Grasschnittgut dem Anlagenbetreiber kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ohne dass eine Vorbehandlung erforderlich ist und das Material direkt dem Fermenter zugeführt werden kann. Diese Bedingungen sind jedoch schwierig zu erreichen, und technische Bedingungen wie Verstopfungen der Anlage beschränken die das Zumischen von frischem Gras auf nur 5-10%. Weitere Informationen zu diesen Berechnungen finden Sie im greenGain Projektbericht D4.3.

Abbildung 2: Geschäftsmöglichkeiten entlang Wertschöpfungsketten im Landschaftsmanagement

Ein weiteres interessantes Geschäftskonzept sind spezialisierte Logistikzentren für den Biomassehandel (Biomass Trade Logistic Centres, BTLC), welche an einem zentralen Standort stehen, um die Nutzung von Biomasse aus der Landschaftspflege in der Region zu vereinfachen. Holz aus der Landschaftspflege wird gesammelt, behandelt und in zertifizierte marktfähige Produkte umgewandelt. Dies können feste Brennstoffe wie Holzhackschnitzel, Pellets, Briketts oder Kultursubstrat und Kompost sein. Die Lieferung des Ausgangsmaterials könnte über ein dichtes Netz von Sammelstellen organisiert werden. Ziel von solchen Zentren ist es, ungenutzte holzige Biomasse zu mobilisieren, wie beispielsweise im Falle von Biomasse aus verlassenen Olivenplantagen in der Region Trasimeno in Umbrien in Italien. Für einen wirtschaftlichen Betrieb dieser Zentren müssen notwendige Umsatzmengen erreicht werden. Zudem ist die Marktanalyse von Hackschnitzel-Angebot und Nachfrage in der Region zu empfehlen. Die Hauptaufgabe dieses Konzeptes, gerade auch im Falle eines Logistikzentrums in Umbrien, ist der Aufbau eines Teams, dass alle Akteure in der Region verbindet und die Kommunikation zwischen ihnen startet.

Aus den Untersuchungen der Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Landschaftspflege hat sich gezeigt, dass zusätzliche Geschäfte und Arbeitsplätze, insbesondere in ländlichen Gebieten, durch die breitere energetische Nutzung der Biomasse entstehen können. Auf dem Weg zur Verwertung von Landschaftsmaterials gibt es einige Herausforderungen zu meistern. So zum Beispiel führen das verstreute Vorkommen und die oft kleinen Biomassemengen pro Standort zu hohem Aufwand bei der Sammlung. Dies kann jedoch überwunden werden, indem das Material von nahe gelegenen Parzellen an einer Stelle gesammelt wird, um eine höhere Produktivität bei der Weiterverarbeitung zu erreichen. Darüber hinaus können zentrale Orte wie ein BTLC die Aufwertung der Biomasse zu marktfähigen Produkten begünstigen, die zur Erfüllung der Markterwartungen benötigt werden. Solche Systeme und Infrastrukturen könnten als öffentlich-private Partnerschaft von Gemeinden und privatwirtschaftlichen Akteuren in den Regionen initiiert werden.

Schließlich hat das greenGain-Projekt gezeigt, dass eine Senkung der Kosten für das Landschaftsmanagement und sogar die Erzielung von Gewinnen möglich ist, ohne Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte zu beeinträchtigen.

Autoren: Klaus Lenz, Simon Kühner, Mini Bajaj und Aline Clalüna

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